Der Standardansatz zum Gegenpartei-Ausfallrisiko im Entwurf der CRR II

Kontrahentenausfallrisiken mit SA-CCR

Zu geringe Risikosensitivität, fehlende Differenzierung zwischen besicherten und unbesicherten Geschäften, Nichtbeachtung von Netting-Effekten und Unterschätzung der Volatilitäten – Das waren die Kritikpunkte des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (BCBS) an der Marktbewertungsmethode (MBM) zur Berechnung der Risikopositionswerte für Derivate. Die daraufhin überarbeitete Methode zur Messung des Kontrahentenausfallrisikos findet nun Einzug in geltendes EU-Recht. 

 

Zweieinhalb Jahre nach dem finalen Baseler Papier findet die SA-CCR-Methode Einzug in die überarbeitete CRR.

2014 veröffentliche das Baseler Komitee im BCBS 279 das finale Papier zum „Standardised approach for measuring counterparty credit risk exposures“, kurz SA-CCR, zur methodischen Messung von derivativen Adressenausfallrisiken. Nun übernimmt die Europäische Kommission den Baseler Regelungstext in die CRR II, die Neuauflage der Kapitaladäquanzverordnung, und überführt somit den neuen Standardansatz in europäisches Recht.

 

Das CRR II Paket soll 2019 in Kraft treten mit Anwendungszeitpunkt des SA-CCR in 2021.

Der Risikopositionswert nach SA-CCR ermittelt sich, ähnlich wie bei der Marktbewertungsmethode, als Summe aus den Wiederbeschaffungskosten (Replacement Cost, RC) und der potenziellen künftigen Risikoposition (Potential Future Exposure, PFE), einem Aufschlag, um künftige Marktwertschwankungen zu berücksichtigen. Neu ist der von der Aufsicht vorgegebene Faktor alpha (= 1,4), mit dem die Risikoposition skaliert werden muss.

 

Risikosensitivere Betrachtung von Netting- und Hedging-Effekten.

Alle Geschäfte, die unter einen aufsichtsrechtlich anerkannten Netting-Rahmenvertrag fallen, können, wie bisher auch, zusammen betrachtet werden. Es wird ein „genettetes“ Exposure – die Risikoposition des sogenannten Netting-Satzes – ermittelt. Die Berechnung der Wiederbeschaffungskosten (RC) erfolgt dabei unter Berücksichtigung von erhaltenen und gestellten Sicherheiten. Völlig neu konzipiert ist die Berechnung des Aufschlags (PFE). Hedging- und Netting-Effekte gegenläufiger Derivate werden im neuen Standard deutlich risikoadäquater als in der Marktbewertungsmethode berücksichtigt. Je Risikokategorie Zins, Fremdwährung, Aktien, Kredit, Rohwaren und „Sonstige“ müssen hierzu die Geschäfte den von der Aufsicht definierten Hedging-Sätzen zugeordnet werden. AddOns innerhalb der Hedging-Sätze werden mit von der Aufsicht vorgegebenen, neu kalibrierten Korrelationsfaktoren aggregiert. Einen zusätzlich risikoreduzierenden Effekt auf die potenzielle künftige Risikoposition (PFE) hat ein Multiplikator, der die beiden Situationen „Überbesicherung“ sowie „Negative Marktwerte“ berücksichtigt. 

Der Gesamtbetrag aus PFE und RC wird schließlich mit dem Faktor alpha = 1,4 multipliziert.

In der Berechnung wird zwischen Netting-Sätzen mit und ohne Nachschussvereinbarung differenziert. Vorhandene Nachschussvereinbarungen wirken dabei risikomindernd und sind somit einer der möglichen Hebel, die erwarteten negativen, quantitativen SA-CCR Auswirkungen klein zu halten.
Unser Schaubild verdeutlicht die SA-CCR-Berechnungskomponenten:

Nutzen Sie die Zeit bis zum Anwendungszeitpunkt in gut zwei Jahren, um die SA-CCR Optionen abzuwägen und ggfs. Maßnahmen zu treffen. Die SKS steht Ihnen dabei zur Seite.

Für die Umsetzung von SA-CCR bleibt den Banken nach Inkrafttreten der CRR II eine zweijährige Implementierungsfrist.
Bereits seit 2013 unterstützten wir als eine der ersten Beratungsgesellschaften unsere Kunden im Rahmen der von der Aufsicht geforderten Auswirkungsanalysen sowohl fachlich als auch DV-technisch zu diesem Thema. Hierzu haben wir ein massendatenfähiges Excel-basiertes Kalkulationstools entwickelt, durch welches einerseits die erhöhten Datenanforderungen transparent werden, andererseits ermöglicht das Tool die Durchführung von Proberechnungen zur Bestimmung der Risikopositionswerte nach SA-CCR für das jeweils institutsspezifische Portfolio.
Gerne unterstützt SKS Sie bei Ihrer SA-CCR-Vorstudie und in entsprechenden Umsetzungsprojekten. Zusätzlich zu unserer Expertise in Bezug auf die fachlichen Anforderungen können Sie hierbei von unseren praktischen Erfahrungen aus entsprechenden Referenzprojekten zur Implementierung des neuen Standardverfahrens profitieren.
Nutzen Sie auch unser Webinarangebot zu diesem Thema.