Der Standardansatz zum Gegenpartei-Ausfallrisiko in der CRR II

Kontrahentenausfallrisiken mit SA-CCR

Die erstmalig 1988 (bcbs04) beschriebene Marktbewertungsmethode zur Berechnung der Risikopositionswerte für Derivate wird mit der Umsetzung der neuen Standardmethode „Standarised Approach for Counterparty Credit Risk“ (SA-CCR) Geschichte. Auf der Ebene der Europäischen Union wurde die vom Baseler Ausschuss entwickelte Methode in die am 7. Juni 2019 veröffentlichte CRR II eingearbeitet. 

Anwendung der neuen Standardmethoden ab 28. Juni 2021

Der neue Standardansatz für das Gegenparteiausfallrisiko ersetzt die Marktbewertungsmethode sowie die bisherige Standardmethode. Nur Banken mit kleinerem Derivate-Portfolio haben die Möglichkeit, eine von den vereinfachten Methoden (vereinfachte SA-CCR bzw. überarbeitete Ursprungsrisikomethode) zu nutzen. Die neuen Vorgaben bezüglich der Berechnung des Gegenparteiausfallrisikos sind ab 28. Juni 2021 anzuwenden. 

Der Risikopositionswert ermittelt sich in allen drei Methoden als Summe aus den Wiederbeschaffungskosten (Replacement Cost, RC) und der potenziellen künftigen Risikoposition (Potential Future Exposure, PFE) - einem Aufschlag, um künftige Marktwertschwankungen zu berücksichtigen. Neu ist der von der Aufsicht vorgegebene Faktor alpha (= 1,4), mit dem der Risikopositionswert skaliert werden muss.

Risikosensitivere Betrachtung von Netting- und Hedging-Effekten mit SA-CCR

Die Berechnung des Risikopositionswertes erfolgt auf der Ebene eines Netting-Satzes. Die Basis für die Bildung von Netting-Sätzen ist die Zuordnung der Geschäfte zu einer aufsichtsrechtlich anerkannten Nettingvereinbarung. 

Die Berechnung der Wiederbeschaffungskosten (RC) erfolgt in der SA-CCR-Methode unter Berücksichtigung von erhaltenen und gestellten Sicherheiten. Vorhandene Nachschussvereinbarungen wirken dabei risikomindernd und sind somit einer der möglichen Hebel, die erwarteten negativen, quantitativen SA-CCR Auswirkungen klein zu halten.

Neu konzipiert und deutlich risikoadäquater als in der Marktbewertungsmethode ist die Berechnung des Aufschlags (AddOn). Hedging- und Netting-Effekte gegenläufiger Derivate werden im neuen Standard berücksichtigt. Je Risikokategorie (Zins, Fremdwährung, Kredit, Aktienkurs, Warenposition und sonstige Risiken) müssen hierzu die Geschäfte definierten Hedging-Sätzen zugeordnet werden. Risikopositionen einzelner Derivaten innerhalb der Hedging-Sätze werden mit von der Aufsicht vorgegebenen, neu kalibrierten Aufsichts- und Korrelationsfaktoren aggregiert. Ein neuer Bestandteil der potenziellen künftigen Risikoposition (PFE) ist der Multiplikator, der im Fall einer Überbesicherung bzw. bei negativen Marktwerten im Netting-Satz reduzierend wirkt.

Unser Schaubild verdeutlicht die SA-CCR-Berechnungskomponenten:

Explizite Vorgaben zu einzelnen Punkten noch in Diskussion

Vorgaben zu nachstehenden, in der CRR II noch offenen Punkten sollen durch die EBA in einem RTS erfolgen, der bis 28.12.2019 der EU-Kommission zu übermitteln ist:

  • Zuordnung von Produkten zu einer bzw. mehreren Risikokategorien,
  • Delta-Berechnung bei optionalen Zinsderivaten (Ermittlung Lambda-Shift),
  • Festlegung der Transaktionsrichtung in Abhängigkeit vom wesentlichen Risikotreiber.

Ein Konsultationspapier (EBA/CP/2018/03) hierzu wurde am 02.05.2019 veröffentlicht.

Herausforderungen der neuen Standardansätze

Die Banken müssen sich bei der Umsetzung der neuen Standardansätze drei wesentlichen Herausforderungen stellen:

  • Festlegung, wo in der Bank die SA-CCR Kennzahlen gerechnet werden sollen;
  • Neue, deutlich größere Datenanforderungen;
  • Abschätzung der Auswirkungen der Methodenumstellung.

Weitere Informationen zu den Herausforderungen finden Sie hier.

Unsere Empfehlung für Sie

Nutzen Sie die Zeit bis zum Anwendungszeitpunkt, dem 28.06.2021, um die SA-CCR Optionen abzuwägen, Umsetzungsprojekte frühzeitig zu planen und mit Hilfe von Proberechnung ggfs. vorzeitig Maßnahmen zu treffen, um negative Auswirkungen zu minimieren. Die SKS steht Ihnen dabei zur Seite.

Bereits seit 2013 unterstützten wir als eine der ersten Beratungsgesellschaften unsere Kunden im Rahmen der von der Aufsicht geforderten Auswirkungsanalysen sowohl fachlich als auch DV-technisch zu diesem Thema. Hierzu haben wir ein massendatenfähiges, Excel-basiertes Kalkulationstools entwickelt, durch welches die erhöhten Datenanforderungen transparent werden. Es ermöglicht die ganzheitliche Berechnung der Risikopositionswerte nach SA-CCR für das jeweils institutsspezifische Portfolio.

Gerne unterstützt SKS Sie bei Ihrer SA-CCR-Vorstudie und in entsprechenden Umsetzungsprojekten. Zusätzlich zu unserer Expertise in Bezug auf die fachlichen Anforderungen können Sie hierbei von unseren praktischen Erfahrungen aus entsprechenden Referenzprojekten zur Implementierung des neuen Standardverfahrens profitieren.

Nutzen Sie auch unser Seminar- und Webinarangebot zu diesem Thema.